Zum Auftakt der Oberliga-Süd-Saison empfängt der Ludwigsfelder FC am Samstag den FSV 63 Luckenwalde.
Zum Auftakt der Oberliga-Süd-Saison empfängt der Ludwigsfelder FC am Samstag den FSV 63 Luckenwalde.

NOFV-Oberliga Süd: Im Waldstadion kommt es zum Teltow-Fläming-Derby – damit wird eine lange Tradition fortgesetzt.

An den historischen Derbysieg, einen Pokalkrimi im Frühjahr 1972 in der Luckenwalder Arena, hat Rüdiger Riethdorf beste Erinnerungen – schon wegen des Ergebnisses, das einen gewissen Seltenheitswert hatte. 4:3 nach Verlängerung hatte die TSV Luckenwalde die BSG Motor Ludwigsfelde im Halbfinale des Fußball-Bezirkspokals niedergerungen.  „Ludwigsfelde hatte ja schon mit 3:0 geführt. Das Spiel war ja eigentlich schon durch, aber dann haben wir es tatsächlich noch gedreht“, sagt Riethdorf und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich war damals Fußallsektionsleiter der Turn- und Sportvereinigung und musste erst mal neues Mineralwasser organisieren gehen, weil niemand mehr mit einer Verlängerung gerechnet hat.“

Es war eines von vielen Duellen zwischen den Vertretungen aus Luckenwalde und Ludwigsfelde, die in den vergangenen Jahrzehnten ausgetragen wurden: In seiner Chronik über den Luckenwalder Fußball hat Rüdiger Riethdorf auch so manch eines der Lokalduelle festgehalten. „Die Derbys hat Ludwigsfelde meistens gewonnen“, räumt der Ehrenpräsident des FSV ein, „aber in den Pokal-Begegnungen haben wir dafür einige wichtige Partien gewonnen.“

Am Sonnabendnachmittag kommt es beim Auftakt in der NOFV-Oberliga Süd zu einer von vielen heißersehnten Fortsetzung des sportlichen Nord-Süd-Gipfels des Landkreises Teltow-Fläming: Der Ludwigsfelder FC empfängt den FSV 63 Luckenwalde, um 14 Uhr läuft der Vorbereitungs-Countdown für ein Duell ab, das nicht nur wegen der geographischen Nähe besonders reizvoll ist. Denn der Aufsteiger empfängt im Waldstadion den Absteiger aus der Regionalliga. „Natürlich ist es ein ganz besonderes Spiel“, sagt LFC-Trainer Volker Löbenberg, „zumal es die Partie ja als Ligaspiel lange nicht gegeben hat.“

Bisher letztes Punktspiel zwischen LFC und Luckenwalde 2010

Das bisher letzte Punktspiel gab es im April 2010 in Ludwigsfelde, die Partie entschied der Aufsteiger aus der Kreisstadt vor 621 Zuschauern mit 4:0 für sich. Bereits das Hinrundenduell hatte der FSV vor 1003 Besuchern mit 3:1 gewonnen. Kaum jemand hätte wohl gedacht, dass sich die Wege in den Jahren danach trennen würden: Der FSV rückte bis in die Regionalliga Nordost auf, der LFC sortierte sich in der Landesliga neu für eine Rückkehr in den überregionalen Fußball.

Wieder einmal hatten sich die Kräfteverhältnisse verschoben, wie schon so oft in der Vergangenheit. Rückblende: Die Luckenwalder waren als Nummer eins in die fünfziger Jahre eingebogen, als das DDR-Ligensystem installiert wurde. Zu dieser Zeit gab es bereits eine jahrzehntelange, teilweise schillernde Fußball-Vergangenheit in der Kreisstadt, während der organisierte Fußball erst Ende der dreißiger Jahre in die Autobauerstadt kam und wenig später von den Kriegswirren gebremst wurde. 1952 gehörte Motor – später, nach der Fusion mit der BSG „Fortschritt“ die TSV – zu den Gründungsmitgliedern der Bezirksliga Potsdam, der dritthöchsten Spielklasse, die für viele Jahre mit wenigen Unterbrechungen die gemeinsame sportliche Heimat werden sollte – und die Keimzelle vieler Derbys.

Denn: 1963 stieß auch Motor aus der Autobauerstadt in den Kreis der besten Vereine des Bezirkes Potsdam vor – in dieser Zeit wurde die langjährige Derbytradition begründet, die nur in wenigen Spielzeiten von Auf- oder Abstiegen unterbrochen wurde. 1986 beispielsweise entschwand die BSG Motor mit dem Autowerk im Rücken Richtung DDR-Liga und näherte sich sogar der Aufstiegsregion in die  DDR-Oberliga – die höchste Spielklasse im DFV-Ligensystem. Nach der Wende gab es nur noch sporadisch Duelle im Ligabetrieb.

Welches enorme Potenzial die Wiederauflage der Partie, ein fußballerischer Zuschauermagnet der Region, hat, beweist das bisher letzte Pflichtspiel: Im Halbfinale des Landespokals strömten im Frühjahr 2016 mehr als 1900 Zuschauer ins Waldstadion. Damals spielte der LFC in der Landesliga, der FSV (der 1:0 siegte) in der Regionalliga – drei Spielklassen lagen zwischen den langjährigen Rivalen. Gut zwei Jahre ist der sportliche Lückenschluss wieder hergestellt.

Quelle: Sportbuzzer

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