FSV 63 Luckenwalde – BSG Chemie Leipzig  5 : 0 (3:0)

Schon wieder ein Spitzenspiel in Luckenwalde. Und dieses Mal wollten immerhin 1018 Zuschauer, unter ihnen 538 Leipziger Chemie-Anhänger, das Duell Zweiter gegen Erster der Oberliga-Südstaffel mit erleben, von denen sicher bestimmt niemand, auch nicht die kühnsten FSV-Optimisten, einen derartigen Spielverlauf erwartet hätte. Die Luckenwalder schienen aber auch bis unter die Haarspitzen motiviert und hatten ausserdem mit Takahiro Tanio einen Kicker in ihren Reihen, der zur Zeit den Unterschied ausmachen kann. Nicht von ungefähr besorgte der laufstarke Japaner auch mit toller Einzelleistung und etwas Glück im Bunde, denn Chemie-Schlußmann Julien Latendresse-Levesqu hätte den Flachschuss an guten Tagen sicher pariert, das frühe und daher auch wichtige Führungstor. Als dann Christian Flath, der ursprünglich nicht in der Startelf stand, dann aber doch für José Silva-Magalhaes auflief, auch noch einen 20-Meter-Freistoss in den Winkel zirkelte, befanden sich die Kistenmacher-Schützlinge schon auf der Siegerstrasse.                Das Nervenkostüm der Chemiker schien an diesem Tage nicht zum besten bestellt, denn zunächst ließ sich Manuel Wajer nach einem Zweikampf mit Christian Flath zu einer Tätlichkeit hinreissen, die Schieri Wartmann, dessen Entscheidungen die Chemieanhänger mehrmals lautstark kritisierten, nur zu einer gelben Karte gegen Wajer und, zum Missfallen des Luckenwalder Publikums, auch zu einer gegen Flath  veranlasste. Kurz danach schoss der Chemie-Torhüter sprichwörtlich einen richtigen Bock. Beim Versuch einer eigentlich ungehinderten Fussabwehr schoss er den nie einen Ball aufgebenden Tanio an, von dessen Knie das Leder zum vorentscheidenden 3:0 im Chemie-Tor landete. Wenn auf Gastgeberseite in Halbzeit eins überhaupt etwas zu kritisieren war, dann die Ausführung eines nach Foulspiel an Christian Flath verwirkten Foulstrafstoss. FSV-Coach Kistenmacher sah das nach dem Spiel zwar  anders, dennoch hatte die sicher regelkonforme aber recht unübliche Ablage Hadels bei der Strafstossausführung auf den heranstürmenden Becker durchaus etwas Arrogantes und fand, auch wenn Beckers Abschluss rein gegangen wäre, im gesamten Stadion kein positives Echo. Ungeachtet dessen wäre das vierte Tor zu diesem Zeitpunkt wohl die Vorentscheidung gewesen.    Aber auch das steckten die selbstbewussten FSV-Kicker an diesem Tage problemlos weg und die mittlerweile dezimierte Chemie-Elf wusste auch so manche Unkonzentriertheit im Luckenwalder Abwehrverbund nicht zu nutzen. Selbst als Alexander Bury und Ex-Luckenwalder Florian Schmidt kurz vor dem Pausenpfiff nahezu unbedrängt in Richtung FSV-Tor stürmten, gelang ihnen nicht die Resultatsverbesserung.  Ansonsten lebte das Leipziger Offensivspiel meist nur von Einzelaktionen, so nach einem Flachschuss Kai Druschkys in der 73.Minute. Aber sowohl bei dieser als auch bei allen anderen Aktionen der Gäste war Konstantin Filatow stets Herr der Lage.                                   

Ansonsten hatte die FSV-Mannschaft in der zweiten Halbzeit keine Probleme die klare Führung zu verwalten. Man hatte den Eindruck, dass immer dann, wenn die Luckenwalder das Tempo anzogen, sie das Ergebnis sogar noch deutlicher hätten gestalten können.                                        So beliess man es bei noch zwei weiteren Treffern, die dann aber in ihrer Entstehung und Vollendung sehenswert waren und bei denen sich Daniel Becker zunächst als Vorbereiter und schließlich gar als als Vollstrecker hervortat.  So zog Pascal Borowski mit unnachahmlicher Dynamik nach Eingabe Beckers in den Rücken der Abwehr ins Angriffszentrum. Zunächst parierte Latendresse-Levesqu, doch vor die Füße Borowskis, der mit dem zweiten Versuch den Chemie-Keeper schließlich zum 4:0 überwand. Vor dem fünften Tor in der 85. Minute fand sich Daniel Becker schließlich mit Clemens Koplin zum Zusammenspiel. Nach Koplins steiles Zuspiel in den Strafraum vollendete der FSV-Mittelfeldspieler schließlich mit der ihm eigenen Souveränität beim Abschluss. Jan Kistenmacher zeigte sich nach dem Spiel realistisch: „Wir hatten viel Glück, dass wir innerhalb der ersten Viertelstunde das Spiel auf unsere Seite ziehen konnten.“ aber zu Recht auch stolz: „Wir wollten Chemie unbedingt ein Bein stellen. Wir wollten mutig und fokussiert auftreten. Das haben meine Jungs sehr gut umgesetzt.“

Die BSG Chemie Leipzig wird aber sicher auch nach diesem Ausrutscher der Topfavorit auf den Regionalligaaufstieg bleiben. Die Fans der Leipziger zeigten sich bereits in Luckenwalde aufstiegswürdig. Trotz  aller Enttäuschung und der nicht geraden überragenden Vorstellung ihrer Mannschaft unterstützten sie ihr Team von der ersten bis zur letzten Minute lautstark und ideenreich und traten trotz dem sicher vorhandenem Frust friedlich und vernünftig die Heimreise an.

                                               

FSV 63: Filatow – Koplin, Schmidt (ab 46. Kwiatkowski), Francisco, Hadel – Hennig, Becker, Müller (ab 86. Juhasz), Borowski – Flath (ab 67. Arnold), Tanio

Chemie: Latendresse-Levesqu – Wajer, Karau, Schmidt, Schmidt (ab 41. Wendt) – Schmidt, Wendschuch (ab 41. Stelmak), Böttger, Bury (ab 70. Trogrlic) – Heinze, Druschky

SR: Marko Wartmann (Großvargula)

Zuschauer: 1018

Tore: 1:0 (11.) Tanio, 2:0 (13.) Flath, 3:0 (27.) Tanio, 4:0 (66.) Borowski, 5:0 (85.) Becker 

Gelbe Karten: Flath – Wajer, Karau

Gelb-Rot: Wajer (30. wiederholtes Foulspiel)

Beste Spieler: Tanio, Flath, Borowski – Stelmak, Druschky

Besondere Vorkommnisse: Luckenwalde (Hadel / Becker) verschiesst in der 37.Minute Foulelfmeter

Fred Krüger 

Sportbuzzer Spielbericht Hier entlang.

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